Die Hohenzollernbrücke in Köln - Liebesschlösser, so weit das Auge reicht

Die Hohenzollernbrücke in Köln - Liebesschlösser, so weit das Auge reicht

30.10.2017

Die mit Abstand meisten Liebesschlösser in ganz Deutschland findest du an der Hohenzollernbrücke nahe dem Kölner Hauptbahnhof. Die von 1907 bis 1911 erstmals errichtete und nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererbaute Brücke ist 400 Meter lang. Das Bauwerk, das das Stadtbild von Köln maßgeblich prägt, besteht aus drei nebeneinander liegenden Fachwerkbögenbrücken, die Platz für sechs Bahngleise bieten. Zu deren beiden Seiten verlaufen Geh- und Radwege. Täglich von mehr als 1.200 Zügen befahren, zählt die Hohenzollernbrücke zu den meistbefahrenen Streckenabschnitten des deutschen Schienennetzes.

Die ersten Liebesschlösser brachten Verliebte im Spätsommer 2008 an. Seitdem haben es ihnen mehr als 300.000 Paare nachgetan. Die vielen bunten Schlösser verteilen sich auf 340 Geländerabschnitte, deren Machart an Maschendrahtzaun erinnert und perfekt für das Befestigen von Liebesschlössern geeignet ist. Auch einige Promis wie Daniela Katzenberger haben dort ihre Liebe verewigt. Das Liebesschloss, das die Sängerin Pink im Jahre 2013 zusammen mit Ehemann Carey Hart und Töchterchen Willow zurückgelassen hat, wurde jedoch schon nach kurzer Zeit gestohlen. Ob die Mitglieder der Kölner Kultband „Höhner” auch bereits ein Schloss angebracht haben, ist nicht bekannt. Dafür schufen sie mit dem Lied „Schenk mir dein Herz” eine musikalische Hommage an die „Liebesbrücke” ihrer Heimatstadt.

Nachdem die Deutsche Bahn AG, Eigentümerin der Hohenzollernbrücke, anfangs erwogen hatte, die Schlösser entfernen zu lassen, hat sie von diesem Vorhaben zum Glück rasch Abstand genommen: Die unzähligen Liebesschlösser, die gemeinsam etwa 22 Tonnen wiegen, gefährden die Statik der mächtigen Stahlkonstruktion nicht.
Die Liebesschlösser an der Kölner Hohenzollernbrücke zeugen nicht nur von tausendfachen romantischen Liebesgeschichten, sondern inspirieren auch Künstler. Der Kölner Liedermacher Tommy Düx beobachtete auf seinem täglichen Weg zur Arbeit, wie immer mehr Liebesschlösser am Brückengeländer angebracht wurden und beschäftigte sich zuerst aus Neugierde näher mit dem Brauch. Schon bald entstand die Idee für ein Lied. In „Bella Italia“ thematisiert Düx detailreich das Prozedere des Anbringens eines Liebesschlosses inklusive innigem Kuss und Piccolo. Er beschreibt, wie Paare den Bügel in das Schloss stecken und den Schlüssel in den Rhein werfen: „Man hat sich lieb, wie ist das schön“ – einerlei, ob das Liebesschloss aus Gold oder Eisen ist. Im Text verbindet er kölsche Mundart mit Elementen aus dem Italienischen. Schließlich soll der Brauch in Rom entstanden sein. So heißt das „Liebesschloss“ im Lied beispielsweise „Catenacchio dell‘ Amore“. Nach seinem Entstehen im Wonnemonat Mai wurde der Song im Juli 2009 auf dem Sampler „Sonne Sommer Kölsch“ veröffentlicht.


Der Singer/Songwriter Tommy Düx, der mit bürgerlichem Namen Thomas Schlagloth heißt, ist seit mehr als 15 Jahren Wahlkölner. Kennen- und lieben gelernt hat er die Stadt am Rhein als Springer bei der Paketzustellung der Deutschen Post sowie bei langen Spaziergängen mit seiner Hündin Emma. Wie das Lied über die Liebesschlösser beweist, bedient er mit seinen Songs ein sehr breites Themenspektrum. Besonderes Aufsehen erregte er mit dem Titel „Farbe deiner Haut“, in dem er sich klar gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stellt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Alternativen für Liebesschlösser, wenn Brücken tabu sind